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Beitrag von „MadMovie“ vom 13.3.2008 im Isaan-Forum:
„Roberts Restaurant“:
Der einst so akkurate Angestellte der Schweizer Staatsbahnen Walter, der zum Alkoholiker wird, der pfiffige „Colonel“, der seinen Spitznamen seiner Ähnlichkeit mit einer Werbefigur einer Fast-Food-Kette verdankt oder der Holländer Ruud, der sich für die Instandsetzung einer alten Wat-Ruine einsetzt – sie alle treffen sich in „Roberts Restaurant“ in Sisaket (hat es so nicht gegeben, Erfindung des Autors) auf ein Bierchen oder zwei.
Als Robert sich in Bangkok mit einer blonden deutschen Frau im Hotel vergnügt, nutzen die Brüder seiner thailändischen Lebensgefährtin die Chance und übernehmen das Restaurant …

Ich habe den ersten Roman „Tod am Mekong“ nicht gelesen – aber Andreas Tietjen schreibt hier so flüssig und amüsant, so dass ich das Buch an einem Tag „verschlungen“ habe! …
Das Buch von Andreas Tietjen wäre die ideale Lektüre am gefliesten Steintisch im Isaan – wenn ich es nicht schon gelesen hätte!


Über den Roman »Roberts Restaurant«:
Das Restaurant des deutschen Auswanderers Robert Fendrich wird in der thailändischen Kleinstadt Sisaket zum Anlaufpunkt der in der Umgebung ansässigen Ausländer. Durch die thailändischen Gesetze zur Untätigkeit gezwungen und mit kaum überwindbaren sprachlichen und kulturellen Verständigungsproblemen konfrontiert, bilden sie in der Fremde eine fragile Schicksalsgemeinschaft. Die unterschiedlichen Geschichten dieser »Expats« zeigen dem Leser die Integrationsprobleme von Auswanderern, die ihren Alltag in einem vermeintlichen Paradies fristen.
Die Spanne der Erlebnisse reicht vom langsamen Abstieg des Schweizer Bahnpensionärs Walter in den Alkoholismus, über die Ausflüge des melancholischen Mopedfans Ruud, bis zur lustig-absurden Odyssee des Japaners Kiyoshi.
Dem Leser wird humorvoll und spannend ein Blick hinter die Fassaden eines faszinierenden Landes gewährt, von welchem die meisten Urlauber nur die schönen Strände kennen lernen.

Feedback und Anmerkungen:
Ein Leser meines Romans Tod am Mekong hat mir in einer Email geschrieben, dass er auf seiner Thailandreise einige Schauplätze der Handlungen aus dem Buch besucht, und dass es ihm viel Vergnügen bereitet hat, die Geschichte vor Ort nachzuvollziehen. Das hat mich sehr gefreut – auf solch eine Idee wäre ich gerne selber einmal bei einem meiner Lieblingsbücher gekommen!
Die bei Tod am Mekong beschriebenen Schauplätze sind auch allesamt authentisch – nicht so die in diesem Buch! Für Roberts Restaurant brauchte ich eine Bühne, die mir Gestaltungsspielraum unabhängig von realen Begebenheiten gab. So hatte ich mich schon beizeiten dazu entschlossen, Orte zu erfinden, wie z.B. Ban Rak (es gibt in Thailand viele Orte mit diesem Namen, nur halt in der Provinz Sisaket nicht) und Ban Suai Noi, und Schauplätze dazuzudichten, wie Roberts Restaurant selbst oder das Hotel Navarat.
Ich hatte mir Sisaket als Handlungsort ausgewählt, weil ich diese Stadt bis zur Veröffentlichung des Romans noch nie besucht hatte, wohl aber die Gegend drum herum bereits ziemlich gut kannte. So konnte ich von der Realität unbelastet in meiner Fantasie eine Kulisse bauen. Im April 2007 bin ich dann endlich auch nach Sisaket gereist, und dies sollte nicht mein einziger Besuch dort bleiben. Ich war völlig überrascht, ein Städtchen vorzufinden, welches den Charme, das Ambiente und die unglaublich freundlichen Bewohner hat, die ich bei früheren Reisen einmal in fast allen Orten im Isaan kennengelernt hatte. Die Stadt verteilt sich zu zwei Seiten vom Bahnhof aus, wobei der nördliche Teil älter, ruhiger und architektonisch interessanter, der südliche Teil aber größer, moderner und urbaner ist. Es gibt einen sehr großen Nachtmarkt, in dem man an unzähligen Ständen alle möglichen Leckereien kaufen kann, die man dann an einem der beiden Rastplätze verspeist. Diese bestehen aus zahlreichen gefliesten Betontischen und -Bänken – thailändischer geht´s wirklich nicht!
Wer behauptet, Sisaket wäre unbedeutend und hätte für Reisende nichts zu bieten (so wie in einigen Reiseführern geschehen), der kann einfach noch nie dort gewesen sein!
Die Infrastruktur ist typisch für eine Kleinstadt in der östlichen Provinz. Es gibt alles, was man zu leben braucht und das im Überfluss. Ein auf ausländische Touristen abzielendes Angebot fehlt, jedoch findet man gute Übernachtungsmöglichkeiten und immer wieder auch mal von Ausländern geführte Bars oder Restaurants. Diese unterliegen einer natürlichen Fluktuation, sodass ich hier keine Empfehlung aussprechen kann, die länger Bestand hätte.